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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1867-01-01 · Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867) · p. Seite 153

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 153 (sequence 257)
Language
German
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153 Der Jurist sagt: Du mußt beten, zu bestimmten Sinn-" deu bestimmte Litaneien vorgeschriebene Stücke hersagen. Das Gebet ist ein Tribut, ein Opfer, das nöthigen Falles im Wege der Exekution eingetrieben wird. Wer ein Gebet verabsäumt, begehet eine Steuerdefraudation und muß durch nachträgliche Zahlung Ersatz leisten. Der Beschtmensch nimmt den Gedanken auf, aber ihm genügt das Prinzip der Kontribution nicht, es füllt sein Herz und seine Seele nicht aus. Was soll diese Lippenthätigkeit ohne Andacht und Stimmung? Was verfängt es, ob diese oder andere Laute ausgesprochen werden? Es muß also ein eigenes Geheimniß in dieser Gebetformel stecken, das erst zu ergründen wäre. Was ist das Wort? Jst's die Hülle eines Gedankens? nein — Wort ist mehr als Hülle, es ist g ewordener Gedanke, Gedanke ist nur mögliches Wort, Vater, der die Zeugungskraft in sich hat das Wort zu schaffen, wenn er das Wesen findet, das sich für die Befruchtung eignet. Dieses Wesen ist die Sprachfähigkeit, sie ist die Mutter, die das Wort gebiehrt. Beten ist also die Vermählung herbeiführen und die Geburt der Worte fördern. Diese Worte sind dann wie sie den Mutterleib verlaffen haben, selbstständige Wesen, die die Geisterwelt bevölkern. Beten ist also Geister schaffen und Heere von Engeln in die Welt setzen. Aber auch damit ist dem Beschtmenschen noch nicht Genüge gethan. Er will die Engel selber kennen, die als Worte erscheinen. Das Gebet ist nur dann eine Geisterschöpfung, wenn der richtige Gedanke wirk- (Erkenntniß) bilden die intelligentere Cotterie der^ Chaffidensekte, welche sich von den rohern Anhängern des Mystizismus durch das Bestreben auSzeichnen den Wunderglauben in ein System zu bringen und im philosophisch-spekulativen Wege zu begründen.

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