Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 250)
- Language
- German
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146 der neue Schnee thürmt sich nur über dem alten auf, und nur selten reißt sich im Laufe der Jahrhunderte eine Lavine los, stürzt polternd ins Thal und zerfließt dann unten, den Weg in's unendliche Meer zu nehmen. Da entsteht denn zuweilen ein neuer Streit, der wieder zn dem ursprünglichen Gegensätze hinzutritt. Es ist der Rangstreit zwischen dem Neuen und Alten. Das Alte pocht auf seine Ehrwürdigkeit, das Neue auf seine Nothwendigkeit, das Alte auf seine Dauer durch Jahrhunderte, das Neue auf seine Folgerichtigkeit ans den Jahrhunderten. Die Vertreter des Alten behaupten: „Wenn sich von dem ewigen Schnee dort oben auch nur ein Flöckchen losreißt, so wächst es im Rollen durch den Abgang des Berges immer riesiger an und im Lavinensturz wird der ganze Berg uns abgetragen." Die Vertreter des Neuen behaupten: „Sorget Ihr .nicht bei Zeiten dafür, daß der Berg entlastet wird, so stürzt Euch die Lavine über Nacht ohnehin herab und wir haben dann weder Berg noch Schnee, aber unberechenbaren Schaden und furchtbares Verderben. Dabei vermeinen cs die Einen recht klug zu machen, wenn sie beweisen, daß das Nene eigentlich ganz alt sei, was gar leicht zu bewei- .sen ist, da im Grunde genommen, der Mensch zu allen Zeilen sich gleich blieb. Allein die Vertreter des Alten sind nicht minder klug und beweisen, aus demselben Grunde, daß alles Alte auch noch nagelneu sein müsse, so lange die Menschen immer dieselben bleiben. So bleibt denn am Ende das Alte neben dem Neuen stehen und der Rangstreit zwischen beiden daneben und der jüdische Religionskrieg in dieser Richtung ist schon bei Weitem nicht mehr so rein und edel als er ursprünglich war. Denn kein Kampf entfesselt so viel unedle Leidenschaftlichkeit und so unnützen Eifer als der Rangstreit zwischen Allem und