Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 248)
- Language
- German
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bloßen Werk, bald das bloße Werk zum Heiligen werden. Zu den natürlichen Gegensätzen, die wie dieß natürlich scheint als in jedem Menschen vorhanden bezeichnet wird, treten mithin neue hinzu, die den ursprünglichen Streit zwischen Geist und Herz, zwischen Freiheit und Unabhängigkeitstrieb nur noch verworrener machen, wenn auch aus demselben Grunde zugegeben werden muß, daß der Religionskrieg innerhalb des Judenthums stets ein reinerer, heiligerer als anderwärts war, weil ihn immer ein tiefer sittlicher Ernst durchwehte und hier die Religiosität nur in den seltenen Fällen den Deckmantel für unlauteres Gelüste und persönliches Interesse herzuleihen hatte. Da nun das Judenthum nichts anderes als das menschliche Leben in Form eines religiösen Kultus, oder ein religiöser Kultus als volles bis in seinen Nuancen entwickeltes menschliches Leben ist, so begreift sich von selbst, daß sein Inhalt nicht durch einige Lehrsätze erschöpft ist, daß es sich hier um keine Bekenntnißformeln und Glaubensdogmen handeln kann. Man ist nicht Jude, weil man dieses oder jenes glaubt, man hört nicht auf Jude zu sein, wenn man das Eine oder Andere leugnet. Das Judenthum tritt in Erscheinung als Geschichte oder Gesetz. Geschichte ist das Leben selbst, die Erfahrung im weitesten Sinne des Wortes- und Gesetz ist das zum Regelbewußtsein erhobene Leben. Wer ein Gesetz Übertritt, hat ein Stück Lebens verletzt, hört aber deshalb so wenig auf, ein Jude zu sein, als man Mensch zu sein aufhört, weil man sich in den Finger geschnitten. Nun kann man allerdings sich tiefer schneiden und das Leben tödtlich bedrohen, ja man kann sogar zum Selbstmörder werden, wenn man ein edleres Organ des Leibes verletzt — und ebenso könnte man Hand an sein Judenthum anlegen, sich selbst --- entjuden