Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 247)
- Language
- German
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143 sich um eine vertrocknete Mumie ab quälten und herumbalgten. Wer wundert sich darüber, daß man allgemach innerhalb der Judenheit dahin kam, in Kunst und Wissenschaft, ja in Ton und Bewegung, in Gruß und Begegnung ganz eigenthürnlich jüdisch zu werden und am Ende nicht nur jüdisch speifete und trank, jüdisch sich frisirte und rasirte, sondern sogar eigenthümlich jüdisch das Nichtjüdische sprach und das Deutsche und Spanische z. B. sich in einen religiös gewordenen Jargon umschuf. Wer wundert sich endlich darüber, daß man dafür außerhalb der Judenheit wieder ein eigenes jüdisches Menschthum annahm, daß man in fremden Kreisen eine ganz besondere Spezies jüdischer Kaufleute und Handwerker, jüdischer Diebe und Wucherer, jüdischer Gulden und Goldstücke voraussetzte und endlich dahin gelangte, daß es eine eigene jüdische Fußsohle und eine besondere israelitische Nase und schließlich sogar einen ganz unterscheidbaren jüdischen Geruch gebe. Man sieht nun ein, wie aus solchen Umständen allerlei Mißverständnisse und Verkennungen entspringen mußten Die Grenzen zwischen Heiligem und Weltlichem, Göttlichem und Menschlichem sind verwischt, der Jude, als Bekenner des Glaubens, ist von dem Juden uks Angehörigen einer Nationalität- und dieser wieder von dem Menschen Und Bürger schwer zu unterscheiden; es ist Alles in und durcheinander, und die kleinste theologische Verschiedenheit in der Theorie bedroht das ganze Detail der Praxis von dem höheren politischen und gesellschaftlichen Leben angefangen bis hinab zum Gebühren in Küche und Keller, in Garderobe und Anstandsorten so sehr, daß Heiligkeit und Weltlichkeit nicht mehr blos um den Umfang ihrer Gebiete, sondern auf Tod und Leben um Alleinherrschaft und ausschließliche Existenz kämpfen müssen. Bald muß da jedes Heilige zum