Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 245)
- Language
- German
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- 141 - es den Heiden nach, selbst als man schon längst über die kindischen Possen des Alterthums hinausgekommen war. Die Naivetät ist zerstoben, der Judenhaß ist geblieben. Das heidnische „Ja" ist längst verklungen, das jüdische „Nein" hört man noch durch alle Räume schallen. — Indessen ist das Judenthum nicht ein bloßes Nein den ihm fremden Anschauungen gegenüber, vielmehr ist dieses Nein fast nur eine Art von Widerhall, ein Echo, das eine einzelne Silbe wiederholt und durch die Lüfte hinträgt, ohne den Zusammenhang der Rede herzustellen. Man versteht unter Judenthum gemeiniglich eine Art Religion, und unter Religion ein Denken und Meinen über Gott, Sittlichkeit nebst einigen Kultusübungen, die das Denken und Meinen versinnlichen sollen. Eine Religion in diesem Verstände läßt sich dann in einige Lehrsätze zufammendrängen, und ihre Uebung auf einige Handlungen und Zeilen beschränken. Eine solche Religion wächst gewöhnlich aus dem Schicksale und dem Leben des Volkes hervor, ist von Klima und Erdreich, von Volkscharakter und Bildung unzertrennlich, steht bald über, bald neben dem bürgerlichen Leben. Einer solchen Religion gegenüber gibt es dann auch eine Menge ihr gleichgiltiger Handlungen und Unternehmungen, die zu ihr in gar keiner Beziehung stehen, zu denen sie nie in Widerspruch treten kann. Eine solche Religion sind alle Religionen auf Erden — mit Ausnahme des Judenthums. Dieses ist nämlich umgekehrt ein ganzes Leben, ein Menschthum, das mit allen seinen Konsequenzen bis zu den letzten Aeußerungen und Regungen aus der Religion herausgewachsen sich darstellt. Es gibt nicht blos ein jüdisches Denken und Meinen über Gott, ein jüdisches Fühlen und Ergrisfensein, einen religiösen Kultus, der sich mit einigen Uebungen abthut; sondern alles Denken und Empfinden, Anschauen und Be-