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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1867-01-01 · Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867) · p. Seite 110

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 110 (sequence 214)
Language
German
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IRI
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110 Nehmt die Märchen aus der Welt mit ihrem Geisterspuck und Gespenstertanz und was bleibt Euch? — die armselige Vernunft, die Niemanden glücklich macht und uns das Beste, was sie wissen sollte, nicht sagen darf. Was habt Ihr an der Vernunft, wenn Ihr nicht bei Zeiten so vernünftig seid, Euch von der Thorheit unter die Arme greifen zu lassen.' Mit Vernunft könnt Ihr noch leidlich essen und trinken, aber kein einziges Leid und Weh Niederkämpfen, das eine Menschenbrust bewegt. Was ist diese Welt von der Perspektive der sogenannten Wissenschaft aus gesehen? Ein Gewirre von Ziffern und Zahlen, von todten Stoffen und schwindsüchtigen Kräften, ein dürres Rechenexempel, eine unendliche Retorte, wo Alles willenlos durch einander brodelt. Ihr wollt Euch an dem Duft der Rose erfreuen, da führt Euch ein Junge, der in einem chemischen Laboratorium bedienstet ist, dazwischen und notirt Euch, wie viele Perzente Kohlengas da ausgedünstet werden, Ihr seid von der Pracht des Himmelszeltes entzückt, da stoßt Eure Nase auf das Teleskop des Sternenguckers und Ihr sagt Euch, daß dahinter nichts als. eine trockene Multiplikation steckt. Die Nachtigall schlägt nach den Gesetzen der Physiologie und Akustik, der Fels mit seinen abentheuerlichen Formen ist ein ausgewaschener Stein, und' all das Blühen und Wachsen, all das Rauschen und Schwirren ist nichts als nüchterner wohldurchdachter Lebensprozeß, in dessen Tiefe und Urgrund Ihr doch nicht schauen könnt. Und inmitten dieses Rechenexempels stehet der Mensch mit seinem ewigen Ach und Weh, willensfrei mit gebundenen Kräften, gar reich an Absichten und arm an Mitteln, Alles verstehen wollend, und von keinem Wesen selbst verstanden, auf sich und sein Herz angewiesen,. verantwortlich für jede Regung der Seele und zu schwach sich und die Natur

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