Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 198)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Gründe stützt, neigt für das neunte Jahrhundert. Hat Darai wirklich in diesem Jahrhunderte gelebt, ist er nicht der Epigone einer großen dichterischen Periode, so muß der Werth seiner poetischen Erzeugnisse sehr hoch angeschlagen werden, da bei Gebirol Mose Jbn Esra, Jehuda ha Levi und Abraham Jln Esra so manche höchst gelungene Gleichnisse, Redewendungen, ja ganze Strophen an die des Darai nicht blos anklingen, sondern auffallend erinnern. Allein eben in der Frage über Darais Lebenszeit hält Pinsker die Akten nicht für geschlossen und er denkt nicht daran der Kritik vorzugreifen. „Niemals," heißt es in den Beilagen zu den Lickute S. 113 in Bezug auf diese Frage, „niemals beharrte ich rechthaberisch auf meiner Meinung und nie setzte ich meinen Untersuchungen ein anderes Ziel als die Wahrheit. Mag es immerhin ein Anderer sein, der sie findet und mag sie auch meiner Ansicht zuwiderlaufen, ich werde mich über sie freuen; denn der Forscher sucht nun einmal nichts als Wahrheit." Ist die Bibliographie das hervorragendste Verdienst der Lickute, so sind sie doch auch als arabische Chrestomatie wichtig. Hierbei hatte Pinsker an dre Strebsamen unter seinen russischen Glaubensgenossen gedacht und ihnen eine Gelegenheit verschaffen wollen, das Arabische auf leichte Weise zu erlernen. Während er sie als mit rascher Auffassung begabte Autodidakten rühmt, vergleicht er sie recht witzig mit unfern Urmüttern in Egypten, die der Kinder zu genesen pflegten noch vor Ankunft der Hebeamme. Die Lickute fanden eine Aufnahme, welche die kühnsten Erwartungen ihres Verfassers überstieg. Kaum noch durch vereinzelte und zerstreute Journalaufsätze in der gelehrten Welt bekannt, wurde Pinsker auf einmal ein gefeierter Name. Der außerordentliche Sammlerfleiß, die imposante Ge-