Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 194)
- Language
- German
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90 mehrere mit Haftarot und Targum versehene Pentateuchfragmente, eigens punktirt war. Die Vokal- und Aecentzeichen boten eine abweichende Form dar, und standen nicht unter, sondern über den Consonanten. Dies neuentdeckte Punktationssystem gab Pinsker viel zu schaffen. Er ruhete nicht bis er es 1842 und 1843 aus den ihm vorliegenden Materialien hinlänglich kennen gelernt und sich darüber gewisse Ansichten gebildet, die er aber in Folge erdrückender Berufsgeschäfte unmöglich ordnen konnte, um sie derOeffentlichkeit zu übergeben. Und als Pinner 1845, am Ende seines Prospektus, in Steindruck ein Abbild der drei Bücher des Habakuk genau nach dem erwähnten Codex gab, besorgte Pinsker die schwierige Correctur des Facsimile, ohne daß dieses in der Pinnerschen Schrift mit einer Silbe erwähnt worden wäre. Auch die übrigen von Firkowitsch mitgebrachten Manuskripte nahmen Pinskers Geist und Muße in Anspruch. Mit der Geduld der mittelalterlichen Mönche, obwohl von Sorgen und Berufsarbeiten überbürdet, betrieb er das langweilige Geschäft Manuskripte abzuschreiben. Freilich war es auch mit dem bloßen Abschreiben nicht gethan. Dä gab es aus den Gebieten der Bibliographie, der Biographie, der Cultur- und Literärgeschichte nicht nur eine Menge Notizen zu sammeln, sondern am Lichte der Forschung viele dunkle Partien aufzuhellen. Nun waren mehrere Handschriften arabisch verfaßt. Es mußte daher das Arabische erlernt werden. Allein von einer persönlichen, mündlichen Anleitung zu diesem überaus schwierigen Studium konnte im damaligen Odessa noch weniger die Rede sein, als im jetzigen. Wenn nun Pinskern dennoch im Laufe weniger Jahre die arabische Sprache ganz geläufig wurde, so hatte er es rein sich selbst, seinem unermüdlichen Fleiße zu verdanken.