Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1867-01-01 · Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 88 (sequence 192)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2609281-3183019--6545-3183567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ben. Mit dem vollständigen Ruine seines Vermögens hatte seine Jugend ausgetobt. Wie damals so viele in den Stürmen des Lebens schiffbrüchig Gewordene, flüchtete er sich nach Odessa, das sich eben durch einen glücklichen Verein von Umständen zu einer blühenden Weltstadt erhoben hatte. Seiner schönen Handschrift hatte er es zu verdanken, daß er gleich mit einem Amte, freilich mit keinem der größten im Staate, wie weiland R'Samuel ha-Nagid, sondern mit dem höchst bescheidenen eines Rabbinatssekretärs betraut wurde. Er mußte es schon für Gewinn halten, mit der geringen Gage, die er vom. wohlwollenden R' Rüben für das Abschreiben rechtsgutachtlicher Entscheidungen erhielt, sein Dasein, wenn auch kümmerlich, fristen zu können. Allein durch die Armseligkeit seiner Lage ungebeugt, richtete er seinen Sinn auf das Allgemeine. Er sah den trostlosen Culturzustand der südrussischen Juden. Daß dieser in einer fehlerhaften veralteten Erziehung wurzele, lag auf flacher Hand. Ueber das zweckmäßigste Mittel der Abhilfe konnte der junge Gallizianer nicht in Zweifel bleiben. Ein Rückblick auf die jüngste Geschichte Tarnopols belehrte ihn ja sonnenklar, daß das einzige unfehlbare und raschwirkende Heilmittel in einer jüdischen Elementarschule besteht, wo den Kindern eine mit den durch Glauben und Sitte geheiligten Forderungen übereinstimmende zeitgemäße Erziehung geboten wird. Odessa, als der kommerzielle Mittelpunkt Südrußlands, schien für eine solche Anstalt ein überaus geeigneter Platz zu sein. Das war der Gedanke, der Simcha Pinsker und den ihm befreundeten Isaak Horowitz, einen jungen Brodyer, angelegentlichst beschäftigte. Zwar mußte Simcha, der Roth weichend, nach Nikolajew gehen, wo ihm in einem reichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.