Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 191)
- Language
- German
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87 welche er sowohl in Tarnopol als später in Tysmieniee seine ganze berufsfreie Muße verwendete. Er selbst unterrichtete ihn, wie im Hebräischen, in der Bibel und'imTaln ud, so auch in der elementaren Mathematik und im Deutschen. Aus Mendelsohns Phädon lehrte er ihn das deutsche Alphabet, und das war auch das erste deutsche Buch, das der Vater mit seinem Lieblinge las. Dieser Liebling aber war Niemand anders, als unser Simcha Pinsker. Zur großen Freude des Vaters entwickelten sich in ihm ungewöhnliche Fähigkeiten, Fortschritte, wie er sie machte, berechtigten zu den schönsten Hoffnungen. Nach R'Schebachs Tode setzte er seine Studien rüstig fort und überflügelte an mannigfaltigem und gründlichem Wissen alle seine Altersgenossen. 1818 heirathete er in Tomaschew (Großherzogthum Warschau) die liebenswürdige Meta, des reichen Chaim Wähler Tochter. Mit Bestimmtheit hatte Wähler darauf gerechnet, daß sein gelehrter Schwiegersohn, wie es damals Sitte war, sich in einer Art von Stillleben ganz in's Talmudstudium versenken würde. Allein gerade kurz nach der Heirat trat Simcha in. die Sturm- und Drangperiode seines Lebens. Fieberhaft ergriffen vom Durste nach neuem Wissen und nach neuer Thätigkeit, warf er sich zuförderst der Kabbalah in die Arme. R'Schebach's Sohn wurde Chassid. Erschloß sich dem sogenannten Kotzker Chassidim an, die in der Theorie mystischen Anschauungen und in der Praxis einer mit cynischen Elementen gepaarten weltmännischen Lustigkeit huldigen. Aber auch in den Strudel eines bewegten kommerciellen Lebens stürzte er sich mit unruhiger Hast und wagte sich an allerlei Handelsspekulationen. Indessen lange konnte sein Geist in diesen, wie die Folge lehrte, ihm so fremden Sphären nicht gefangen, blei-