Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 156)
- Language
- German
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— 52 — Er verließ nie sein Zimmer und trug bei Tage und bei Nacht vor; seine Jünger und seine sonstigen Zuhörer saßen vor Hm, inTallith^s gehüllt, die Tephillin auf Haupt und Arm, und lauschten jedem seiner Worte in schweigender Ehrfurcht. Erwirkte nicht blos durch Lehre und Beispiel auf sie, sondern suchte sie auch, da sie sich seinem Willen völlig unterwarfen, an eine beschauliche, ascetische Lebensweise zu gewöhnen. Er ließ sie viel fasten und beten und führte sie mehrmal in der Woche an die Meeresküste, um sie dort ein Reinigungsbad nehmen zu lassen. Als die Menge der Zuhörer so anschwoll, daß sie der Zimmerraum nicht fassen konnte, hielt er seine Vorträge auf freiem Felde in der Nähe der Stadt bei Tag und bei Nacht und das Collegium ließ sich selbst durch die böswilligen Neckereien der Mohammedaner nicht stören. Zwanzig Jahre alt, heiratete er die schöne Tochter eines reichen Mannes inSmyrna, mußte sich aber, da er jeden ehelichen Umgang mit ihr mied und sein Schwäher deshalb nach einigen Monaten bei dem Rabbinertribunale von Smyrna gegen ihn Beschwerde erhob, von ihr scheiden lassen. Dasselbe geschah auch mit einer zweiten Jungfrau, die er darauf zum Weibe genommen und man brachte dafür die wohlfeile Rechtfertigung auf, daß keine von beiden, die ihm von der Vorsehung bestimmte Ehehälfte gewesen sei. Trotzdem er während der Zeit seiner Scheinehe die Kasteiungen und sonstige religiöse Übungen auf die Spitze trieb, war er doch stets von blühender Farbe und wohlbeleibt. Ein Zeitgenosse schildert ihn als einen Mann von ungewöhnlicher Größe, braunem Teint, schwarzem Vollbarte und schöner Haltung; dasselbe entnahm man auch seinem Bildnisse, von dem einige Exemplare 1,6,69 nach Amsterdam gelangten; die ein Raub des vernichtenden Fanatismus geworden sind.