Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 142)
- Language
- German
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38 Israels verherrlichen, und die Zweifler im Geiste werden Erkenntniß erlangen, und die Stürmer Lehre annehmen." Wohl leben wir jetzt, in solchen Zeiten, in denen, Dank unserem erleuchteten Jahrhundert, die religiöse Duldsamkeit nicht nur allgemeinstes Moralgebot, sondern auch politisches Glaubensprinzip aller zivilisirten Staaten geworden ist, in denen es noch schimpflicher ist, einen Glaubens- oder Gewissenszwang auszuüben, als ihn sich gefallen zu lassen, es komme dieser von welcher Seite immer, von außen oder innen, von Feind oder Freund. Religiöse Toleranz ist ein Gebot der Kultur, der Achtung der Menschenwürde und persönlichen Freiheit geworden, gegen das wir uns in keiner Weise, nicht einmal in der besten Absicht, versündigen dürfen. Aber der dem Gebote des Märtyrerthums zu Grunde liegende Gedanke, das Motiv die Ehre unseres angestammten Bekenntnisses in der öffentlichen zu wahren, und nicht der Ansicht Raum zu geben, daß unsere Lehre aufgehört habe, der Lebensodem Israels zu sein, für das kein Opfer zu groß, keine Überwindung zu schwer sein darf — dieses Gebot ist noch in seiner alten imponirenden Gewalt geblieben, heute so gut, wie in den finstern Jahrhunderten des Mittelalters, in unsrigen ruhigen wie in den stürmischen Religionsepochen. Von dieser Rücksicht geleitet, müssen wir selbst in geringfügigen Dingen auf unserer Hut sein, wenn sie einmal zu den öffentlichen Attributen unserer Religion gehören, in deren Beobachtung sich Anhänglichkeit und in deren Übertretung sich Geringschätzung ausspricht und kundgibt. Bei solchen Dingen kommt es mehr auf die Meinung an, die sie nach außen von und über uns provoziren, als auf ihren inneren Gehalt. Dies mögen Viele bedenken, die so leichthin einen religiösen Brauch, Nichtjuden gegenüber, durch Wort oder That, für antiquirt erklären, wodurch sie