Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3183019--6479-3183501- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 22 — herzuleihen, da sie überdies blos 31 Familien zählten. Dafür erboten sie sich eine Kopfsteuer, jährlich Einen Gulden zu geben. *) Schließlich verwiesen sie auf die Juden in Mähren und Böhmen, welche bei dieser Gelegenheit auch ins Mitleid zu ziehen wären. Doch die Geldnoth des Staates wollte auf diese Einwendungen nicht hören. Die Kopfsteuer genügte nicht, man brauchte Geld und wollte daher sofort eine größere Summe. Im November des Jahres 1599 erging daher nochmals die Aufforderung an die Juden in Wien, das betreffende Anlehen zu negociren, und da diese nochmals ihre frühere Ansicht gellend gemacht, so wendete man ein probateres Mittel an. Am 5. Februar 1600 erschien ein Decret per eerenissimum ^rekiäueem (Matthias) des Inhalts, da die Juden kein Anlehen machen wollen, den Schweiß und das Blut der Christen durch unleidliche Partiten, Wucher und Finanzerei abnehmen, und den Schutz des Staates ohne allen Entgelt genießen (?) so sollen sie binnen 14 Tagen Wien und Oesterreich verlassen. Doch die Juden waren in der That nicht in der Lage, das geforderte Anlehen von 30000 fl. oder 20000 fl. zu *) In der „Neuzeit" 1866, Nr. 6 u. s. w. theilten wir ein Verzeichniß der Juden, welche im Jahre 1752 in Wien lebten, mit. CS waren 16 Familien und sie zählten 452 Seelen. Wahrscheinlich haben die in Wien im Jahre 1599 lebenden 31 Familien eine verhältnißmäßige Seelenzahl in Folge der Schutzbefohlenen gehabt, und es ist daher die Anerbietung eine Kopfsteuer pr. 1 st. zu zahlen nicht zu geringe anzuschlagen. — Der Hinweis auf die Juden in den andern Kronländern ist bei solchen Gelegenheiten ein sehr häufiger. Die Juden des einen Kronlandes, ihr eigenes Leid am meisten fühlend, hielten die Lage der Juden in den andern Kronländern gewöhnlich für reicher und verwiesen daher auf diese.