Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 120)
- Language
- German
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16 Das Budget kommt dem eines kleinen Staates nahe. Die Armenanstalt allein hat im Jahre 1865 25329 fl. 30 kr. verausgabt. Von dieser Summe ist der größte Theil Armen zugeflossen, welche nicht in Wien geboren und die nicht zu Wien zuständig sind. Dasselbe Verhältniß findet sich auch bei den andern Wohlthätigkeitsinstituten und Vereinen. Selbst die Gotteshäuser und die Religionsschule werden mehr von Fremden als von Einheimischen besucht.. Dabei trifft öfters das Sprichwort ein: L’appetit vient en mangeant. Die Israeliten, welche in den Vorstädten wohnen, stellen an den Vorstand der Gemeinde die Anforderung, in den betreffenden Bezirken, wo sie wohnen, Gotteshäuser und Schulen zu errichten, und die betreffenden Beamten zu bestellen und meinen Kornfelder können auf flacher Hand gedeihen. Wenn nun heute, wo die israel. Gemeinde Wiens mehr als 26000 Seelen hat, diese Verhältnisse schwer von ihr getragen werden und sie deshalb das Bestreben hat, sich gewissermaßen zu verkleinern und zu beschränken (wie wir hören, soll in den neuen Statuten, welche den Behörden zur Genehmigung vorliegen, auch ein Paragraf enthalten sein, daß nur diejenigen Israeliten zur Wiener Gemeinde gehören sollen, welche innerhalb der „Linien" wohnen), um wie viel schwerer mag es den Israeliten zu jener Zeit geworden sein, die kaum nach Hunderten zählten, die Lasten der Gemeinde allein zu tragen, ohne daß die Fremden in irgend einer Weise sich an denselben beiheiligen wollten. Obschon die Juden zu jener Zeit in ihren inneren Angelegenheiten vollkommen autonom waren, so fehlte es ihnen doch an Kraft, ihre Beschlüsse ausführen zu können. Das Privilegienwesen hatte übrigens so zahlreiche Ausnahmen gestattet, daß die Regel fast selten wurde. Das