Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 116)
- Language
- German
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12 haben, Küche und Keller der kaiserlichen Familie zu versorgen.^) (Vergl. unsre: „Juden in der Leopoldstadt. Beil. XII.) Unter solchen Umständen waren die Juden eine Nothwendigkeit. Man brauchte sie nicht bloß als Steuerobject, sondern auch als Geldvermittler. In der That finden wir nicht, daß die Juden trotz der wiederholten Ausweisungen auch nur ein Zahrzehent von Wien gänzlich entfernt gewesen wären. So stark auch der Glaubenshaß, so mächtig der Krämerneid war, immer wieder ergab sich die Nothwendigkeit, die bereits vertriebenen Juden wieder aufzünehmen, oder die erlassenen Ausweisungsdecrete aufzuheben. Dieses Zuströmen fremder Juden nach Wien war jedoch der jüdischen Gemeinde nicht stets angenehm. Wir haben schon an andern Orten darauf hingewiesen, daß die Juden in früheren Zeiten von dem Geiste der Ausschließung, von dem sie selbst so viel zu leiden hatten, stark inficirt waren. Die einmal privilegirten Juden suchten den Druck, den sie erleiden mußten, auf die nicht privilegirten weiter fortzupflanzen. Anderseits aber hatten in *) In welcher argen Lage öfters die StaatSfinanzen waren, geht daraus hervor, daß wiederholentlich die Frage angeregt wurde, die Güter der katholischen Geistlichkeit zu constSciren. Der Erzherzog Ferdinand machte diesen Vorschlag im I. 1557 dem Kaiser Ferdinand I. und der Bicedecom Wolf in Fürth im I. 1599 dem Kaiser Rudolph. Man kann denken, wie hoch die Noth gestiegen sein mag, wenn man es zu jener Zeit wagte, derartige Vorschläge zu machen. Kam eS doch so weit, daß man factisch nicht in der Lage - war f dem Gewürzkräm^r des Hofes für die gelieferten Specereien zahlen zu können. Es wird verschiedenen Feldherren der Satz in den Mund gelegt: Zum Kriege brauche man drei Dinge: Geld, Geld und Geld. Oösterreich hat jedoch zu allen Zeiten diesen Satz Lügen gestraft, denn sonst hätte es nie Krieg führen dürfen.