Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 115)
- Language
- German
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11 bedenkt mancher nicht, daß man öfters in der Nähe des Brennpunctes eben leicht vom Feuer ergriffen und verzehrt wird. Andere wieder ziehen nach großen Städten, weil sie nichts haben. Diese hoffen in der großen Stadt eher in der Lage zu sein, ihre Kräfte verwenden zu können. Die große Stadt mit ihren Reichthümern lockt sie an und die Hoffnung beseelt sie, daß ihnen auch das gelingen werde, was dem und jenem gelungen ist. Allerdings vergessen sie daran, daß man in der großen Stadt einen viel härtern Kampf des Lebens zu bestehen hat, als auf dem Lande, weil eben die Mittel zum Leben viel theurer sind. Zahlreich ist die Anzahl derjenigen, welche als Jünger oder Meister der Kunst und Wissenschaft nach der großen Stadt ziehen,' oder die sich auf dem Gebiete der Industrie und des Handwerkes ausbilden wollen rc. rc. In früheren Zeiten, wo den Juden mit Ausnahme des Handels alle Nahrungszweige verboten waren, wo selbst der Handel nicht ganz frei war, und dieselben zumeist auf Geldgeschäfte angewiesen waren, lag es um so mehr in der Natur der Sache, baß die Juden darnach strebten, nach großen Städten zu kommen, wo sich ihnen ein größerer Markt öffnete. Insbesondere war Wien der Zielpunct der Juden, wo es ihnen öfters gegönnt war, mit den Regierungsbehörden in Geschäftsverbindung zu treten. Die Finanzcalamitäten in Oesterreich sind nämlich keine Erscheinung der neuern Zeit, sie waren zu allen Zeiten vorhanden, und bei den unaufhörlichen Drangsalen, welche die immerwährenden. Kriege, in welche Oesterreich verwickelt war, herbeiführten, konnten die finanziellen Schäden kicht geheilt werden. Die Staatscassen waren gewöhnlich leer. Es traten öfters Perioden ein, wo mangenöthigt war, das silberne Eßbesteck des Hofes zu verpfänden, um die Mittel zu