Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite X (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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X z. B. in Niederlanden (durch Baron von Meemstra) bei Gelegenheit des Mortara- und Coenfalles der Antrag gestellt, die Gesandtschaft in Rom aufzuheben, da sie keinen Zweck habe, wenn sie nicht dazu bestimmt ist, die höchsten Interessen der Zivilisation zu vertreten, und der Minister wußte darauf in einer Meise zu repliziren, die es erkennen ließ, daß ihm diese Mission des auswärtigen Amtes nicht fremd sei. Indessen verkennen wir nicht, daß die Lage unserer Minister eine schwierigere ist, wenn eS sich um politische Fragen handelt, die zugleich religiöser und interner Natur sind. Warum aber in den Donaufürstenthümern nicht gegen Barbareien allerlei Art eingeschritten wurde, warum man sich den Einfluß im Orient, der durch Heranziehung der dortigen Juden zu gewinnen wäre, entgehen läßt, istnicht so leicht zu begreifen. Ein neuer Geist kam in die Frage der Judenemanzipation durch das Ministerium Belcredi, welches mit dem Zentralismus vollends brach und die Wünsche der Nationalitäten zum Ausdrucke kommen ließ. Das Sibolet des Tages ward die historisch-politische Individualität, und da man die Juden als historisches Individuum anerkennen mußte, so galt es für all die Nationen, welche ihre Rechte geltend machten, auch bezüglich der Juden Farbe zu bekennen. Die Deutschen sahen sich als Träger des Liberalismus an, und konnten natürlich auch nur liberale Haltung annehmen, als Angehörige eines Kulturvolkes vom ersten Range durften sie sich nicht dem Fortschritte entgegenstemmen. Die magyarische Nation, in welche der Schwerpunkt des innern politischen Lebens allgemach gelegt wurde,