Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 339)
- Language
- German
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Sonst ging das Mittagmal still und gemessen vorüber; es wurde nicht viel gesprochen. Nur am Schluffe des Tischgebetes, welches Leser Kollin dem fremden Gaste „verehrt" batte, sagte Jener: „Ich bleib dabei, es ist doch Schade, daß der Andere kommen wird. Keiner hätte für uns besser gepaßt, als Ihr." Wieder glitt ein flüchtiges Lächeln über die strengen Züge des jungen Rabbiners. Spät am Abend, als die funkelnden Sterne am Himmel darthaten, daß der Sabbat bereits in seine Ruhe eingegangen, ging der fremde Gast noch einmal zu Leser Kollin, um von der Familie seines liebreichen Kostherrn sich zu' verabschieden. Er fand sie Alle beisammen; nur Deborah war in dev Stube nicht zu sehen. . Der Gast gab seinem Kostherrn die Hand und bedankte sich bei ihm in herzlicher Weise für das genossene Gute; ebenso that er es mit der Frau Leser Kollin's. Als er sich schon entfernen wollte, rief sie ihn noch einmal zurück und' bat ihn, er möge die Kinder zu guter Letzt noch „benschen."? Nicht weniger als sieben Kinderköpfe, Knaben und Mädchen,' legten sich unter seine segnenden Hände; er sprach über alle' die uralt heilige Formel des Patriarchenfürsten. Dann ging er. Wo aber war Deborah? Als er über den finstern Hof schritt, stand am Aus-, gange'des Gäßchens eine Gestalt; er kam näher; sein .Herz pochte in mächtigen Schlügen. „Bist Du's, Deborah?" „Ich bin's!" tönte es schluchzend zurück. r „Warum weinst Du,, mein Kind?" . „Ich weiß es selbst nicht."