Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 333)
- Language
- German
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263 leiten und Witzen trug, er fühlte sich der schlichten Aufforderung dieses armen Mannes gegenüber beinahe sprachlos. Er empfand es mit aller Gewalt, daß er unter diesen einfachen, Menschen die blitzenden Waffen seiner Gelehrsamkeit von sich werfen und als ein Gleicher mit Gleichen verkehren müsse. Denn wenn ihn auch vielleicht Leser Kollin verstand — verstanden ihn darum auch die zwei Augen, die ihm gegenüber leuchteten? Mußte er nicht gerade von ihnen begriffen werden? In diesem Augenblicke kam ihm jener Geist zu Hilfe, der vom Anfang der Welt her seine Freude daran fand, die Menschen im Ueberwinden der höchsten Schwierigkeiten zu unterrichten, so daß ihnen das Abtragen von Bergen und das Aussüllen der tiefsten Thäler als Spielwerk vorkam. Die Gewalt der Improvisation hatte ihn ergriffen. Er begann damit, daß er auf das Lob des Weibes, wie es König Salomo gedichtet, zurückgriff. Sie hatten es ja soeben selbst gesungen, und er mußte also voraussetzen, daß Sinn und Bedeutung dieses eigentlichen Hohenliedes auf die Frau ihnen Allen klar und verständlich war. „Ein wackeres Weib," begann er, „wer findet es. Schwereren erkaufen ist sie al.s Perlen." Dann mit einer geschickten Redewendung blieb er bei einem Satze des schönen Gedichtes stehen und entwickelte ihn in klarer, fließender Weise zum Mittelpunkte seines „feinen Wortes." Es steht geschrieben: „Ihr Sinn trachtet nach einem Felde, und sie kauft es; von der Frucht ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg." „Was soll das heißen?" fragte er sich gleichsam selbst. ,,Jst es die Sache des Weibes, ihren Sinn auf den Erwerb zeitlichen Gutes gerichtet zu halten? Denn wenn es in einem