Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 332)
- Language
- German
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262 6rot aus; dann brachte die älteste Tochter, eben jenes schöne Mädchen aus der Küche einen mächtigen Suppentopf herbei, aus dem sie Jedem seinen Antheil in den Teller schüttete. Der „Gast" war ihr gerade gegenüber zu sitzen gekommen. Während der Suppe herrschte Schweigen unter der Tischgesellschaft, jetzt sollten die Fische ihren Einzug halten.. Da sagte Leser Kollin, indem er seiner Tochter einen Wink gab, der ihr bedeutete, einstweilen die Fortsetzung des Nachtmales zu unterlassen: „Mit Verlaub, Gast! Darf man fragen, woher Ihr kommt?" „Ich komme gerade aus Prag." „Wo seid Ihr geboren?" „In Mähren bin ich zu Hause." „Und was habt Ihr in Prag gethan? Wie lange wart Ihr daselbst?" „Ich habe da fünf Jahre bei dem Landrabbiner gelernt." „Das habe ich Euch auch gleich angesehen. Ihr habt eine Miene, die Einem das auf den ersten Blick verräth. Darf ich Euch um eine Wohlthat bitten, Gast?" „Redet nur." „Gebt uns etwas Thora zum Besten! Wenn ich so etwas Gutes früher genossen, so ein feines Wort, was man nicht alle Tage zu hören bekommt, so zehre ich daran, wie an einem guten Bissen. Milten in meiner Plage, während der Woche fällt es mir ein, und erhebt und tröstet meine Seele." Ein seltsames Bangen überkam den jungen Rabbiner! Er, der für derartige Fälle gewappnet und gerüstet war, wie kaum ein Anderer, der in seinem Kopfe einen Schatz solcher „feiner Wörtlein," eine Fülle von talmudischen Spitzfindig-