Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 328)
- Language
- German
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--- 258 — finstern Raume, der nur im Hintergründe durch das Herdfeuer beleuchtet war, nichts Lebendes erblicken, dafür wurde jedoch ein anderer seiner Sinne, seine Nase in die angenehmste Mitleidenschaft gezogen. Wie lieblich duftete und brodelte es da hinten am Küchenfeuer! Nie in seinem Leben glaubte er eine süßere Reitzung seines Geruchsorgänes empfunden zu haben; cs stieg ihm förmlich berauschend zu Kopf. Denn wenn ihn nicht alles tauschte, wenn alle seine Erfahrung sich nicht als Stückwerk bewähren sollte, so waren das Fische in „Pfeffertunke," die dort brodelten und dufteten — sein Leibgericht! „Wer ist hier?" fragte mit einem Male eine weibliche Stimme, die einem jungen Mädchen anzugehören schien. „Ich bin's," sagte der junge Rabbiner und trat gebückten Hauptes in die niedere Küchenthüre, „und ich bringe eine „Plette" auf den Sabbat." „Jetzt noch?" tönte es zurück, und es klang fast schmerzlich klagend. Noch später, es mochten seitdem etwa sechzig Jahre vergangen sein, erzählte der Großvater, wenn eine besonders gute Stimmung über ihn gekommen war: nichts in der Welt hätte ihn in diesem Augenblicke vermögen können, von der Schwelle jener Thüre zu weichen; er Hütte nicht das kleinste Mitleid mit der Klage des Mädchens gehabt, denn wiewohl sie ihm aus Herz gegriffen, habe er es doch mit allem Heißhunger, dessen er damals fähig gewesen, empfunden — daß er diese Fische, die dort in der Pfanne so ver* führerisch brätelten und zischten,. essen müsse, und mochte auch Leser Kollin, mit seiner ganzen Familie darob vor Hunger vergehen. „Die ganze Familie?" fragte dann gewöhnlich eine