Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 327)
- Language
- German
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Der Stube des Gemeindeverwalters sah man es an, daß sie mit dem Wohlstand auf vertrautem Fuße stand Unterhalb der siebenzinkigen Lampen funkelten auf dem Tische vier schwere silberne Leuchter, die am heutigen Abende aller Aussicht nach einem vortrefflichen Nachtmal ihr Licht spenden werden. Aber auch diesmal kam -j-ner romantische Zug im Gemüthe des jungen Rabbiners zur Geltung^ Er lehnte die Einladung des Gemeiudeverwalters dankend ab. T „Wenn ich schon auf einen armen Mann angewiesen binsagte er, „so wird er auch haben, womit er mich verköstigt. Ich nehme ihn also an." ' Und so mächtig war der Eindruck, den das seltsam vornehme Wesen des Gastes auf den Gemeindeverwalter hervorgebracht haben mochte, daß er ihn bis zur Thüre hinausbegleitete und die damals und hie und da auch jetzt noch übliche Entschuldigungsformel ihm nachrief: „Verzeiht mir," eine Ehre, die er bis dahin noch keinem „Gaste" angethan hatte. Wieder legte sich jenes feine, sinnende Lächeln um die Lippen des jungen Rabbiners. Fühlte er sich befriedigt? War es das, was er gesucht und gefunden hatte? Nicht ohne Mühe gelangte er zu dem kleinen und unansehnlichen Hause, worin sein Kostherr, an den ihn die „Pleite" anwies, wohnen sollte. Er fand es endlich, versteckt- und schämig, hinter den andern Häusern der „Gasse", nachdem er in dem Hofe, den er zu überschreiten hatte, mehrmals über einen Haufen spielender Kinder gestolpert war, von denen er annehmen mußte, daß sie insgesammt Sprößlinge von dem gesegneten Baume Leser Kollin's waren. Er trat in die offenstehende Küchenthüre. Anfangs gewahrte er nichts, das heißt, seine Augen konnten in dem