Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 326)
- Language
- German
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Als er so aus der Herberge heraustrat, uud durch die Gasse einherschritt, spielte ein feines, sinnendes Lächeln um seine Lippen. Er sah wohl, wie ihm, der hochgewachfenen jungen Gestalt so manches verwunderte Auge nachblickte, das den Begriff eines hungrigen „Schnorrers" mit seinen Zügen und seinem ganzen Wesen in keine rechte Verbindung bringen konnte. ' Das aber war es ja, was er suchte und worauf sein Sinn stand. Der Gemeindeverwalter, dessen Haus er alsbald gefunden hatte, empfing ihn mit mürrischem Gruße. Er war ein gewaltig beleibter Mann, dieser Joel Elsäßer, dem in der Hitze des Tages die Last seines Körpers doppelt schwer fiel, weil er zugleich ein Amt auszuüben hatte. „Ihr kommt zu spät, Gast," herrschte er ihm zu, ohne ihn recht ins Auge zu fassen. „Die Gäste, die vor Euch gekommen sind, haben Euch Alles weggegessen. Es ist nur Eine „Plette" noch übrig, und die wird Euch keinen guten Sabbat verschaffen." „Ueberall ist der Sabbat gut, wo man in einer frommen Gemeinde ist," sagte der junge Rabbiner mit jener ruhigen Milde, der gegenüber selbst der galligste Mißmuth seine Waffen verliert. Der Gemeindeverwalter blickte schärfer nach dem Gaste; es mochte auch ihn ein Gefühl überkommen haben, das von seiner gewöhnlichen Geringschätzung solche fahrender Bettler ziemlich fern ab lag. „Ich meine es gut mit Euch, Gast," sagte er etwas aus der Fassung gebracht. „Die „Pleite," die Ihr da in der Hand haltet, führt Euch zu Leuten, da sind acht Kinder im Hause und Leser Kollin ist ein armer Mann, der weiß oft an manchem Freitag nicht, womit er Sabbat machen soll. Wollt Ihr nicht lieber bei mir essen?"