Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 305)
- Language
- German
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des Wagens und dachte die schon im Bette angefangene Ruhe hier weiter fortzusetzen. Aber die Unebenheit des Bodens, die Dunkelheit, das schnelle Fahren versetzten den Wagen in schwankende Bewegungen, der dem Fahrenden so manchen Stoß mittheilt, daß er auf seine wohlmeinende Absicht bald verzichten mußte. Es blieb nichts übrig als meinen Gedanken nachzuhängen. Die Generalin, zu der ich in solcher Eile berufen bin, eben dieselbe, von der wir früher mit Nachmans Nichten sprachen, ist eine bereits ältliche Dame. Sie hatte sich erst unlängst hier angekauft, ihren Mann, einen steinalten Krieger, hatte sie das Unglück auf der Reise hieher zu verlieren. Sie selbst viel jünger etwa hoch in den fünfzigen, ist seit lange mit einem alten Brustleiden behaftet. Sie ließ mich seit der kurzen Zeit ihrer Ansiedlung hier, schon öfters holen. Sie verfuhr aber dabei, wie ich bemerkte, mit vielem Zartgefühle, indem sie es vermied mich zu ungelegener Stunde oder gar des Nachts stören zu lassen. Dies veranlaßte mich natürlich den gegenübersitzenden Diener zu fragen, warum solche besondere Eile. „Sie scheint sterben zu wollen ," war seine lakonische und traurig herausgestoßene Antwort. Ich rief zum Schlag heraus und trieb den Kutscher zu wo möglich noch größerer Eile an. Bald waren wir im Hofe des Landhauses angelangt; ich sprang aus dem Wagen. Die Leute waren in Bewegung und liefen besorgt herum. Als ich mich ins Schlafzimmer begeben wollte, kam mir die Gesellschaftsdame entgegen und sagte mir mit äußerster Niedergeschlagenheit: „Die Generalin scheine an ihrer letzten Stunde zu sein, sie habe schon mehrmals dringend nach mir gefragt, auch scheine sie nicht recht bei Sinnen zu sein, weil sie so manches fremdartige unternehme." Das Schlafzim-