Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 299)
- Language
- German
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229 nicht entschlagen, sie könnte ihren Einfluß zu unserm Vortheil in die Schale werfen." „Wenn Sie es blos aus dem Grunde bedauern, so kann ich Ihnen sagen, daß sie vorläufig sehr einsam lebt, und ganz ohne Einfluß ist; übrigens habe ich das Nöthige schon eingeleitet und hoffe auf den Erfolg," und damit empfahl ich mich. Ich muß bekennen, daß mir diese ganze Unterredung recht sonderbar vorkam, ich hielt sie, gerade herausgesagt, für etwas überspannt, für sogenannte Roman- Phantasie und beachtete sie nicht weiter. Wer sind nun diese beiden Damen? Offen gestanden ich weiß es selbst nicht recht. So sehr auch ein solches Geständniß für einen Berichterstatter wahrhafter Begebenheiten schwer fallen muß, so erfordert doch die Wahrheit eine solche Offenheit. Sollte ich aber im Verlaufe etwas Näheres erfahren , so theile ich es gerne mit; vorläufig jedoch so viel als ich und alle Welt hier davon wissen: Marie und Rebecca sind Geschwister und zwar die Nichten des Nachman von einer verstorbenen Schwester. Nun würde es Niemanden ausfallen, daß Nachman ein paar Vater- und mutterlose Nichten bei sich auferziehet. Aber was auffällt, ist die besonders sorgfältige Aufsicht, ja Erziehung, die er seinen Nichten zu Theil werden läßt, selbst mehr als seinen eigenen Kindern. Und dieser Umstand ist es, der ihnen den Spitznamen „Prinzessinnen" im ganzen Städtchen einbrachte. Auch sind sie körperlich so schön Und geistig so begabt — durch eine wenn auch mangelhafte Ausbildung gehoben — daß sie ihren Spitznamen „Prinzessinnen"' mit einiger Berechtigung zu tragen scheinen. Ich will Ihnen aber auch gleich erzählen, auf welche Weise sie in einem kleinen ukrainischen Städtchen, beim Mangel aller Hülfsmittel doch eine einigermaßen europäische