Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 298)
- Language
- German
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228 „Und was glauben Sie also, meine lieben Kinder, hinter diesen Artigkeiten von Seiten dieser Dame zu wittern?" Beide schwiegen eine Weile, als ob es ihnen schwer falle, ihrem Verdachte Worte zu leihen, endlich entschloß sich Marie und sagte: „Wir wissen selber nicht recht,, was dahinter zu denken ist, aber recht seltsam mußte uns doch Vorkommen, aus ihren Aeußerungen zu vernehmen, wie sie es gerne sehen möchte, uns öfters bei sich zu haben, ja daß wir ihr dort Gesellschaft leisteten. Es kam uns das Ganze, gerade herausgesagt, wie eine Einleitung zu einer Bekehrungsgeschichte vor. Ich sehe Sie lächeln, lieber Doktor, aber wir sind schuldig, Ihnen zu sagen, welchen Eindruck diese ganze Geschichte auf uns gemacht hat. Die Dame scheint überfromm zu sein, und das bestärkt uns noch mehr in unserm Argwohne. Wir haben dem Onkel diese ganze Sache verheimlichen zu müssen geglaubt, da wir wissen, wie strenge er in dieser Hinsicht ist, und dies allein ihn bestimmen könnte, alle Verbindung mit dieser Dame abzubrechen, welches demnach zu seinem Nachtheile ausschlagen dürfte." „Ich danke Ihnen also für das besondere Zutrauen, aber ich muß Ihnen meinerseits erklären, daß so weit ich die Verhältnisse beurtheilen kann, ja so weit mir überhaupt der Charakter der Russen bekannt ist, es mir scheinen muß, daß Sie in Ihrem Verdachte zu weit gehen." „Mag sein," versetzte Rebecca, „aber wir sagen nur, welchen Eindruck ihre Rede und ihr ganzes Benehmen auf uns machten. Auch ist es nicht das, womit wir Sie jetzt unterhalten wollten, sondern es soll Ihnen nur klar werden, warum wir heute nicht allein hingingen, als der Onkel verhindert war mitzukommen. Und dieser Entschluß kostete uns einigen Kampf, denn wir konnten uns dabei des Gedankens