Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 300)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Ausbildung haben erlangen können. Diese verdanken sie nämlich dem seit einigen Jahren im Orte wohnenden römischen Maler Signore D—co und seiner Frau. Der Signore D. war nämlich früher ein leibeigener Bauer des Grafen, der zufällig in ihm ein Talent zur Malerei, entdeckte. Es war bei Gelegenheit, als man für eine neue Kirche in ..... einen Jconostase anfertigte. Er wurde dem Heiligenbilder - Maler als Farbenreiber beigegeben, und dieser konnte nicht genug die Fähigkeiten des jungen Mannes rühmen. Der Graf ließ ihn unterrichten, schickte ihn zuerst nach Kiew und von da nach Petersburg in die Akademie. Hier'machte er einen vollständigen Cursus durch und als er diesen ausgezeichnet beendigte, ging er auf Unkosten des Grafen nach Nom. Seine Fortschritte in der Malerei nahmen weite Progressionen an, so daß er in Folge derselben zum Akademiker der Petersburger Akademie ernannt wurde. Dort in Rom verbrachte er mehrere Jahre in künstlerischer Thätigkeit und heirathete eine gebildete Italienerin. Aber leider setzte ein Augenübel seinen weiteren künstlerischen Erfolgen eine Gränze, und er wurde bald gezlvungen heimzukehren. Hier lebte er auf einem Gehöfte in der Nähe der Nachman'schen Familie von einer Pension, die ihm der Graf aussetzte. Es war interessant diesen aus einem kleinrussischen Bauern in einen italienischen Artisten umgewandelten Mann zu sehen, jede Spur eines Kleinrussen war verwischt und sein ganzes Familienleben, seine ganze Erscheinung war ächt römisch. Dabei war die Frau gebildet und musikalisch. Man kann sich denken, daß das ein gemachtes Pensionat für die Nichten Nachman's abgab. Die Frau unterrichtete sie im Italienischen und Musik, der Mann im Zeichnen, und auf diese Weise bekamen sie einen Anstrich von Bildung und hatten mancherlei Kenntnisse, die man