Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 267)
- Language
- German
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ז19 betreffenden maßgebenden Kreisen durchdringen wird, kann ich nicht Vorhersagen; — an dem guten Willen dazu wird es nicht fehlen. Dieses scheinbar geringfügige Faktum birgt in sich, wie wir glauben, ein charakteristisches Moment; denn hier tritt zum ersten Mal auf dem religiösen Gebiete jener Hang das rein. Formelle abzustreifen deutlich hervor, während er ursprünglich zumeist nur im socialen Leben sich gezeigt hatte. Und wir glauben deshalb, daß das reformatorische und umgestaltende Element gerade bei den Chassidim zu suchen sei. Mit merkwürdiger Leichtigkeit sieht man die Chassidim von den Ritualgesetzen sich emancipiren. Jene leichtsinnige Behandlung des wichtigsten Trauertages, wie wir oben gesehen, gehört streng genommen hierher, und die Nuancen innerhalb dieser Sekte unterscheiden sich aber hauptsächlich durch den h'öhern oder niedern Grad des Festhaltens an den Nitualgesetzen. So unterscheiden sich z. B. die sogenannten Kotzker (die außerdem noch das Talmud-Studium viel fleißiger als die Andern betreiben) hauptsächlich dadurch, daß sie außer dem Versöhnungstage keinen Fasttag halten. Dieses negirende und destruktive Auftreten hat im Gebete seine positive und wirklich wohlthätige Kehrseite. Indem sie sich nämlich auch hier gegen manche starre, das Herz ertödtende Formen abweisend verhalten, gelangt bei ihnen des Gebet, wenigstens öfter, als bei dem Prostek, zu seiner wahren Bedeutung, wird mehr eine reine Herzenssache. Und in der That trügt ihr Gebet mehr den Charakter eines freien Aktes, ist lebendiger und frischer, ergreifender und mehr dem Herzen entströmend, als das geistlose Dawenen des Prostek, dem man die מצות אנשים מלומדה immer anhört. Obwohl nun die Chassidim auf das Aeußere und die Formen des Cultus nicht viel verwenden, so spielt doch bei ihnen das Gebet,