Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 262)
- Language
- German
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192 feindlichen Gefühlsleben, ging natürlich auch der Hang nach dem Mystischen und Dunkeln, nach dem Näthselhaften ja Unverständlichen Hand in Hand. Niemand aber verstand es so gut, jenen Hang zu befriedigen, die Phantasiebilder in ein solches magisches Licht zu setzen, jene räthselhafte und symbolische, jene orakelhafte und man möchte sagen, kabbalistisch--mystische Sprache so meisterhaft zu handhaben, als eben jener Magus und darum hat er zumeist jenen Einfluß und jene höhere Macht über seine Anhänger gewonnen. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Rebben. Auch er erwirbt sich solchen Einfluß aufseine Anhänger nicht sowohl durchseine hohe Frömmigkeit, durch seine besonders starke Begeisterung für die Göttlichkeit, als vielmehr durch seine Kunst, dem Hange der Chassidim, die, wie wir gesehen, sich immer in höheren Regionen bewegen, wo eine einfach menschliche Sprache nicht verstanden wird, durch ein räthselhaftes Gebühren, durch eine dunkle und gewissermaßen zauberhafte Sprache, die mehr ahnen als verstehen lassen will, in hohem Maße zu schmeicheln. Man muß einen solchen jüdischen Magus sehen, wenn er umgeben ist von dem Kreise der Bewunderer, man muß seine Verzückungen, feinen himmelnden und verklärten Blick betrachten, man muß die hingeworfenen tief-mystischen, einer Pythia würdigen Worte hören, die je dunkler sie sind, desto mehr bewundert werden; man muß dies Alles sehen und hören um den Nimbus, der von dem Wundermann ausstrahlt erklärlich zu, finden. Ob jene zur Schau getragene Begeisterung'keine gemachte, ob dieses Gebühren kein erkünsteltes, kein verstelltes ist? Es füllt schwer diese Frage kategorisch zu beantworten. Man antworte mir bestimmt und überzeugend, wie es z. B. mit Lavater und Hamann stand, und ich will es dann eher wagen auch diese Frage mit Bestimmtheit zu beantworten. Jonathan Eibeschütz, wenn ich