Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 257)
- Language
- German
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187 weise, von der herrschenden Gleichgiltigkeit im Allgemeinen, zu der freilich auch der Jndifferentismus im Religiösen gehört, das Leitende und Entscheidende, dieses brachte die Gleichgestimmten zusammen, in deren, ich möchte sagen, geselligem Kreise, die Religion als das einzige Ideale in ihrem Jdeenkreise, das tonangebend wurde und jene Rolle spielen mußte, die wir oben zu zeigen versucht haben. Und darum kann von Ascesis, von lebensscheuen Ansichten, oder gar von wirklicher Ausschließung der Lebensfreuden bei ihnen keine Rede sein. Und wenn auch von ihren Vertretern (z. B. dem großen Balschem und unter seinen Nachkommen Neb Nachmann) in Einem Athem höchste Freudigkeit und höchste Mäßigkeit vorgeschrieben wird, so weiß man, was von dieser Mäßigkeit zu halten sei. Und so ist dies wiederum eines jener Gesetze, die in Wahrheit keine Gesetze sind, da es sich niemals in der Praxis geltend machte, noch .machen konnte, weil es eben schnurstracks ihrem ursprünglichen Hange und Drange zuwiderläuft. Wahvlich, Zügellosigkeit in der Freude, Unmäßigkeit im Genüsse muß man ihnen zum Vorwurfe machen, wenn man sieht, wie sie jede Gelegenheit benutzen, oder, wo eine solche sich nicht darbietet, sie, .wie man zu sagen pflegt, vom Zaune brechen, um ihre Hislahabut-Gier zu befriedigen. Tage, die sonst von gewöhnlichen Menschenkindern als Trauertage betrachtet werden, wandeln sie zu Freudentagen um und bringen sie in Saus und Braus zu. So geschieht es z. B. mit den sogenannten „Jahrzeiten." Wenn Jemand unter ihnen Jahrzeit hat, so wird ihm, wie. bei einem freudigen Ereigniß „Masel tob!" zugerufen und der Betreffende ist dann gehalten, eine kleine Schmauserei zum Besten zu geben. Und ich möchte behaupten, daß der Samstag Abend deshalb durch das „Schaleschsudes" so festlich begangen wird, weil er, wie bekannt, der Todes-Abend