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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 186

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 186 (sequence 256)
Language
German
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186 aber wollen uns entfernen und unsere Betrachtung an dieses Bild knüpfen. — Freudigkeit, Lust und Leben sind also aus diesen Räumen nicht allein nicht ausgeschlossen, sondern finden vielmehr, begünstigt und geheiligt durch ihre Bezogenheit auf die Religion, eine höchst günstige Aufnahme und herrschen, ich möchte sagen, in ihrer ganzen Ausgelassenheit. Diese Erscheinung muß um so mehr hervorgehoben werden, als sie fast bei keiner den Chassidim irgendwie nur ähnlichen Sekte sich vorfindet. Bei jeder durch ein lebhafteres Gefühl von Frömmigkeit und Gottesverehrung sich auszeichnenden Sekte, (wofür der Chassidismus sich doch ausgibt und oft gehalten wird), war Enthaltsamkeit und ascetische Lebensweise eine der Hauptpflichten. Jene überaus strenge Enthaltsamkeit in den Lebensgenüssen, jene mönchische Weltentsagung der Essäer ist dem echten Chassid stets fern geblieben. Um auf den dem Chassidismus scheinbar am meisten verwandten Pietismus zurückzukommen, so waren es die ascetischen Vorlesungen, die seine Entstehung ankündigten und in seiner weitern Entfaltung stellte sich jene lebensfeindliche Richtung in dem Dogma der Erbsünde dar, demgemäß alle sinnlichen Regungen so viel wie möglich niedergedrückt werden mußten. Lebenslängliche Traurigkeit wird ausdrücklich vorgeschrieben. — Sollte nun die charakteristische Unterscheidung des Chassidismus für meine Ansicht über seine Entstehung nicht genug deutlich sprechen, ja siebestätigen? Wären die Chassidim eine wirkliche Religionssekte, d. h. wäre auch bei ihnen das religiöse Moment das allein entscheidende Motiv, oder wenigstens das Prius bei ihrer Separirung, wie Hütten sie dann auch jener ascetischen Lebensansicht entgehen können? Bei ihnen war aber nicht, wie bereits gesagt, ein tieferes Gefühl für Frömmigkeit und Religiosität, sondern das Streben, sich von der schalen und niederdrückenden Lebens-

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