Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 252)
- Language
- German
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282 aus den jüdischen Kreisen verbannt. Aber Ein Ideal schwebte allen vor, Ein Ideal kannten Alle, es ist die Göttlichkeit. Die Religion nun wurde denn auch der Brennpunkt, in welchem alle ihre Neigungen, Bestrebungen sich vereinigten, nach welchem alle Handlungen hinzielten. Daß hier das Gefühlsleben den weitesten Spielraum hat, daß der ungezügelten Phantasie dabei Thür und Thor geöffnet wird, daß die Religion bei einer solchen Handlungsweise eine reine Ausgeburt der Imagination wird, daß es aber auch beim bloßen Gefühlsleben nicht verbleiben wird, bedarf wohl kaum eines besonderen Nachweises. Der Ehassid steht anders Gesinnten gegenüber, und je beharrlicher und conseguenter sein Gegner sich ihm zeigt, desto schroffer tritt auch er auf, desto wehr wird er zum Reagjren angestachelt, und so bemächtigt sich die Phantasie des Willens und aus der unschuldigen Schwärmerei kann gar leicht ein gefährlicher, rasender Fanatismus werden. Ist es uns hauptsächlich darum zu thun, den eigentlichen Entstehungsgrund für den Chassidismus anzuzeigen, so glaubten wir ihn in dem Prostek personificirt zu sehen, den wir vorzustellen die Ehre hatten. Wichtig genug ist wohl die Kenntniß desselben, will man den Chassidismus mit Erfolg bekämpfen. Hierin nun auch unterscheidet sich diese Art von Sectirern so Ziemlich von allen andern und nicht minder von der ihr scheinbar am meisten ähnlichen, in einer andern Religion auftretenden Geistesrichtung, ich meine den Pietismus. Wohl ging auch dieser aus den oben angegebenen, ähnlichen Verhältnissen hervor, auch er wand sich vermöge seines intensiv stärkeren religiösen Gefühles von dem zu seiner Zeit herrschenden starren Dogmatismus los, aber er hatte eben rein und allein die Religion zum Motive, ja er trat mit einem gewissen Systeme von vorne herein ans, er hatte ein