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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 177

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 177 (sequence 247)
Language
German
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177 emporwachsen, die Freunde der Aufklärung entsetzten sich beim Anblick der Gefahren, die hier jeder Bildung drohen, die Anständigen wendeten sich mit Ekel von den Orgien der dritten Mahlzeiten und der wirklich zotenhaften SyrK'- bolisirung der Verehelichung mit der Schechnia ab. Man schrieb, man zetterte von allen Seiten gegen den Chassidaismus — aber vergebens! Wie man sich die Erfolglosigkeit .dieser Ankampfungen gegen eine schauderhafte Entartung des religiösen Gefühles zu erklären habe, mag andern Darstellungen überlassen bleiben — doch sei hier so viel gesagt, daß die scheinbare Toleranz, welche man in manchen Kreisen dem Chassidäismus angedeihen ließ, jedenfalls in einer Intoleranz begründet ist, worauf wir jedoch nicht eingehen wollen. Aus dieser gedrängten Darstellung des chassidüischeu Wesens wird so viel hervorgehen, daß er durch seine Appellationen an das Gemüth und lebendige Gefühl, durch seine sichere Rechnung auf den Hang der Menge zum Mystizismus um so gewisser siegen werde, je weniger man ihm das echte rabbinische Judenthum und je mehr man ihm die Afterbildungen desselben als Kämpfer entgegenstellt. Weder der dürre Rationalismus, die blutleere Negation der Hyperreform oder die Abstraktionen und Distinktionen einer blos Philosofischen Theologie, noch der klapperdürre Formelkram, die trockene Juristerei, der Kultus der Satzung und des Brauches können den Chassidäismus entbehrlich machen oder sein Ansehen schwächen. Will man aber mit Erfolg dagegen ankämpfen, so muß jener freie Geist des Judenthums, wie er die Profeten beseelte, den Talmud beherrscht, die großen Denker und Führer der Judenheit zu allen Zeiten belebte. 12

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