Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 246)
- Language
- German
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178 zur Erhöhung der Seelenfreudigkeit dem Chassid dringend empfohlen ist. Der Zaddik vollziehet durch jedes Gebet eine mystische Begattung mit der Schechina (Abglanz) und erzeugt dadurch eine Unzahl von Engeln. Seine Kleider und Geräthe haben ebenfalls entsühnende Kraft, seine Mütze schützt gegen Stolz, sein Gürtel gegen böse Neigungen, seine Beinkleider gegen Ehebruch, seine Philakterien gegen Frechheit, sein Grabmahl, zu dem nur gegen Lösegeld der Zutritt gestattet ist, ist in ewigen Zeiten wunderthätig. Wer den Zaddik bedient, ihm die Pfeife stopft (denn der Zaddik ist ein leidenschaftlicher Rancher), vor seiner Thüre Wache stehet, erwirbt ewige Seligkeit. Das wirksamste Mittel, womit der Chassidäismus sich Anhänger verschafft, ist die Glückseligkeit und Seelenruhe, die er seinen Gläubigen gewährt, da der Zaddik alles über sich nimmt, die Ausgleichung mit Gott herbeiführt, und die Gewissen beschwichtiget. Unter dem Schutze des Zaddik kann man sich ganz froh dem Genüsse ergeben, Unglücksfälle wendet ja der Heilige gegen Lösegeld ab, und wo er dies nicht kann, weiß er die Schicksalsschläge religiös zu begründen, daß die Gemüther nicht zu sehr davon ergriffen werden. Man kann sich nun denken, daß gegen diese der Bildung wie dem echten Iudenthume so gefährliche Sekte sich allerwärts die Stimmen erhoben. Die Rabbiner erkannten sofort die sabbathäischen Elemente der neuen Sekte und bekämpften sie, die Anhänger der Werkheiligkeit nahmen Anstoß daran, daß das Zeremonialgesetz wenig oder auch gar nicht beobachtet ward, die edlern Geister sahen mit Schrecken, welche Frivolität unter dem Zaddikkultus aufkomme, welche laxen Grundsätze da