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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 165

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 165 (sequence 235)
Language
German
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IRI
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165 Gott der Bibel ist der heilige, das heißt der Inbegriff aller Sittlichkeit; er kennt ungleich den griechischen Volksgöttern keinen Neid, keine Mißgunst, keinen Fehl, und alle Sittlichkeit des Menschen hat ihren Grund in der Nachahmung seiner Heiligkeit : „Heilig sollt Ihr sein, denn ich Euer Gott bin heilig" 78). ■ ' Er ist aber auch der unwandelbar gleiche in alle Ewigkeit. Die griechischen Götter entstehen, ja können sogar vergehen. Göttergeschlecht folgt auf Göttergeschlecht, den Vater verdrängt der Sohn, um seinerseits wieder von seinem Sohne vom Weltenthrone herabgestürzt zn werden, Götter werden von Vätern erzeugt und von Müttern geboren, haben Freuden und Leiden, sind in dieser Zeit anders wie in jener — der Gott der Bibel hat keine Geschichte. Wie er ewig ist, so ist er auch unveränderlich. Doch diese Eigenschaften Gottes werden auch von der griechischen Philosophie gelehrt. Auch sie verbannt ja, wie die oben angeführten Stellen erweisen, die Vorstellungen von Endlichkeit und sittlicher Beschränktheit der Götter. Doch es gibt einen Punkt, wo sich die biblische Gotteslehre auch von allem Pantheismus der Neuzeit unterscheidet — in dem Begriff Gottes.als einer selbstbewußten Person. Von Thales bis auf Herakleitos ist die Gottheit nur eine Naturkraft. In den italischen Philosophenschulen und in Anaxagoras ist sie eine geistige Kraft, der die Sinnenwelt entweder coordinirt gegenübergestellt wird, oder vor der sie schlechthin verschwindet. Nirgends, auch bei Platon und Aristoteles nicht, ist sie ein, nach sittlichen Zwecken handelndes persönliches Wesen. Denn damit würde nach menschlichen Begriffen die Veränderung in Gott zugelassen werden, die Philosophie mußte daher die Persönlichkeit Gottes verneinen. Will mau aber positiv Etwas von Gott aussagen, will man ihn nicht.

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