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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 163

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 163 (sequence 233)
Language
German
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163 nicht anders als in Bildern und Tropen sich bewegen kann, wenn sie geistiges bezeichnen will. Dann wird es unzweifelhaft, daß die Übertragung menschlicher Eigenschaften auf Gott bloß bildlich symbolischer Weise geschieht, daß der Talmud mit vollem Rechte sagt: die Thora spricht die Sprache des Volkes 69). Brauchen wir da noch Belegstellen Herbeizusch affen, die beweisen sollen, daß der unendliche Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde nicht wie ein wirklicher Mensch aufgefaßt wurde? Das Grundgesetz der Juden und der Menschheit — die zehn Worte — verbieten jedes Bildniß Gottes, es sei einem Wesen im Himmel oder auf der Erde oder im Wasser entlehnt und wie eine Verkörperung Gottes bei den Griechen dazu geführt hat, nun auch die Götter körperlich in Bildsäulen und Gemälden darzustellen, so kann man umgekehrt aus den Grundlehren der Bibel: „Du sollst Dir kein Bildniß Gottes machen" schließen, daß Gott als Geist gefaßt wurde. Wem wollt Ihr Gott vergleichen, welche Gestalt ihm gleichstellen? srägt der jüd. Prophet70), und das ist ein Ton, der unzählige Male in der Bibel angeschlagen wird, vom Siegesliede Moses' an, bis auf den späten Psalmisten und der uns sagt, daß Gott unvergleichbar mit Menschen und Engeln, also unkörperlich gedacht ist. Er wird ferner als Himmel und Erde erfüllend nicht aber vom Räume beschränkt gedacht: „Könnte wohl Gott auf der Erde wohnen? Himmel und der Himmel Himmel fassen Dich nicht, um wie viel weniger der Tempel, den ich erbaut habe" 71), so spricht Salomon und in dem uralten Psalm 90 heißt es: „tausend Jahre sind vor Dir wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, wie die Wache einer Nacht" — Gott ist also erhaben über Zeit und Raum — er ist ein Geist. 11*

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