Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 227)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6238-3183259- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
157 Eine Gewalt, Ein Gott ward mächtiger Herrscher von Allem, Ein hochfürstlicher Körper, in dem das Ganze sich kreiset. Feuer und Wasser, die Erd' und der Aether, die Nacht und das Tagslicht All' dies ruhet vereint in des Zeus unendlichem Körper. Du erblickest seinHaupt und erblickst sein strahlendes Antlitz, Schaust Du des Himmels Glanz, um welchen der schimmernden Sterne Goldene Locken in ewigen Kreisen hold zauberisch wallen. Ihm sind Augen die Sonne und das gegenstrahlende Mondlicht; Sein untrüglicher Geist ist der fürstlich ewige Aether, Durch den Alles er denkt und bewegt; die nährende Erde Ward sein heiliger Leib und der Berge erhabener Scheitel; Ihn in der Mitte umgürtet die Fluth des tosenden Meeres Und seine Füß' sind unten die tiefsten Wurzeln der Erde, Wie auch des Tartaros Reich und die äußerste Grenze des Erdraumes." In diesem Gedichte ist Zeus die einzige Macht, der einzige Gott, Anfang und Ende und Mitte des Alls, Allvater und Allherrscher, und damit ist der Uebergang gemacht vom Polytheismus zum Pantheismus. Ein solches Hineinziehen Gottes in die Welt ist das entscheidende Merkmal der ganzen griechischen Philosophie. Gott ist nicht ein über der Naturstehender Geist, sondern eine ihr immanente geistige oder stoffige Kraft. Schon des ersten Ppilosophen Thal es' Gott ist kein selbstbewußter außerweltlicher Geist, sondern ein Urstoff, aus dem sich durch Verdickung und Verdünnung alle Wesen herausgebildet haben, der alle Körper durchdringt und ihnen Leben verleiht: das Wasser. Denselben Ausgangspunkt nimmt die ganze ionische Schule bis auf Herakleitos herab; nur in der näheren Bestimmung des Urstoffes weichen sie