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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 156

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 156 (sequence 226)
Language
German
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156 rachsüchtig 48) sein, läßt sie lügen 49), zum Neid verleiten und ehebrechen^). Dieselben Widersprüche finden wir beiHesiod und auch tiefer denkende Geister wie Pindar, Aeschylos, Theognis vermochten sich nicht von ihnen zu befreien. So ruft Pindar aus: „Eins ist der Menschen und der Götter Geschlecht, von Einer Mutter geboren, athmen wir Beide" 52); und er erzählt oft von den Kämpfen der Götter untereinander 53). Nach Aeschylos und Sophokles ist die göttliche Strafe nicht ohne Schadenfreude 54), die Götter sind den Menschen mißgünstig^) und bei keinem Dichter findet sich eine Stelle, in der Liebe als wesentliches Merkmal der Götter angesehen würde. Kurz die ganz griechische Dichtung bleibt in Widersprüchen befangen, ertheilt bald den Göttern übermenschliche Macht und Sittlichkeit und läßt sie bald wieder zu unvollkommenen, menschlich beschränkten Naturwesen herabsinkeen; kann sich trotz alles Ringens nach reinerer Gotteserkenntniß nicht losreißen von Vielgötterei und Erniedrigung der Gottheit. Das muß sofort verschwinden, wenn der Mensch, nicht wehr geleitet von zügellos schweifender Phantasie oder von wirrem Volksglauben, denkend das Wesen der Dinge zu erfassen strebt. So beseitigt denn die griechische Philosophie sofort jene Widersprüche zwischen Vollkommenheit und Beschränktheit der Gottheit und schon die orphifche Dichtung, die Zwischenstufe zwischen Poesie und Philosophie, endet mit einer entschiedenen Hinneigung zum pantheistisch gefaßten Einsbegriff der Gottheit. Nichts Anderes besagen doch die schönen Verse ^) : „Zeus ist der erst entstandene, der letzte donnerbeherrschend Zeus ist das Haupt und die Mitte, aus ihm ward Alles geboren.

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