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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 154

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 154 (sequence 224)
Language
German
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154 So scheint denn von zwei Seiten her das Gut bedroht zu sein, das wir als ausschließliches Erbe unseres Volkes ansahen. Nicht allein lehrt die griechische Religion und Volksdichtung persönliche Gottheiten, zu denen der Grieche beten konnte, wie der Jude zu seinem Gott, die seine Noth ihmmildern, sein Gebet erhören sollten, die allmächtig und allwissend das Gute und das Böse gerecht vergalten; nicht allein befreite der philosophirende Geist der Griechen seine Gottheiten auch von jedem Widerspruche, von Vielgötterei und Unsittlichkeit, lehrte eine einig-einzige heilige Gottheit: dies nicht allein, sondern die Bibel soll an und für sich ganz unwürdige Begriffe von Gott lehren, der Gott der Hebräer soll ein endlicher, menschlich gedachter, Rache dürstender Nationalgott gewesen sein. Was bleibt uns demnach übrig? Der Glaube an ein Wesen, das über der Natur erhaben, sie beherrscht, von dem der Mensch selbst abhängig ist, ist ein dem Menschen so natürlicher, daß wir ihn, freilich mehr oder , weniger getrübt, bei allen Völkern der Erde finden. Unmittelbar ohne erst zu reflektiren, treibt eine Art von Gottgefühl der Menschen zur Annahme eines höheren, angebeteten Wesens. Nicht jedes Volk und nicht jeder Mensch gibt aber diesem Gottgefühle sein richtiges Objekt, lehnt an die Natur und ihre Kräfte, vergöttert die Welt oder was das selbe ist — verweltlicht seinen Gott. So glaubt manches Volk in der Leben weckenden Sonne, in dem mild funkelnden Sternenhimmel das zu erkennen, was mächtige Gefühle ihn zu verehren drängen; so glaubt es in den. ziehenden Wolken, in dem Brausen des Sturmes, im Rauschen der Ströme die Stimmen zu hören, die im eigenen Innern zuerst erklungen sind. Wir stehen hier an einer der Quellen

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