Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 223)
- Language
- German
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153 sen, daß das Wesen Gottes nicht lauter von der Bibel gelehrt werde. Gott soll als endlich gedacht worden sein. Denn es wimmelt ja in der Bibel von Anthropomorphismen und Anthropopathien. Fast alle Bestandtheile des menschlichen Organismus werden auf die Gottheit übertragen; es wird gesprochen von Auge^, Mund, Nase, Ohren, Arm, Finger, Herz, Füßen Gottes; es werden von ihm fast alle Thätigkeiten des Menschen': Sehen, Riechen, Fühlen, Schmecken, Schreien, Lachen, Reden, Gehen; und viele Eigenschaften und leidentliche Zustände des Menschen ausgesagt: Freude, Betrübniß, Reue, Zorn, Haß, Rache 41). Die Bibel lehrt ferner, daß Gott in endlicher Gestalt auf der Erde erschienen sei, daß er dem Abraham, Moses, den Propheten und am Sinai einem ganzen Volke in einem beschränkten Raume sich offenbart und mit ihnen gesprochen habe. Ausdrücklich heißt es: Und sie sahen den Gott Israels und unter seinen Füßen war wie ein Werk aus leuchtendem Sapphir und wie der reine Himmel an Klarheit42), und zu Moses, der Gottes Herrlichkeit schauen will, spricht Gott 43): „Du vermagst nicht mein Angesicht zu schauen, denn mich schauet kein Mensch und lebet. Meine Hand will ich wegthun und Du siehst meinen Rücken, aber mein Angesicht kann nicht gesehen werden." -Gegen einen solchen Vorwurf, daß die Bibel einen körperlichen Gott lehre, das Unendliche mit einer menschlichen Gestalt äusstatte, verschwindet.fast jeder andere, daß dieselbe nur von einem Gott des jüdischen Volkes spreche, daß Gott bloß sein Volk beschütze," während andere Völker andere Nationalgötter hätten, daß der Gott der Bibel ein Gott der Rache sei und was man sonst Alles vorgebracht hat , um die Gotteslehre der Bibel im schlechtesten Lichte erscheinen zu lassen.