Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 212)
- Language
- German
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142 hen. Sein an Gehässigkeit anstreifendes Vorurtheil ist ein wissenschaftliches, ein künstlerisches, das aus seiner Theorie über Arier und Semiten fließt, und das im Laufe der Zeit nicht minder schädlich wirken kann, als das religiöse des Mittelalters. Während aber diese neue Judenfrage von Männern der Wissenschaft aufgeworfen wird, kann der aufmerksame und unparteiische Beobachter unserer Zeit wahrnehmen, daß die so lange verkannten und bekämpften jüdischen Anschauungen und Grundsätze immer mehr Raum außerhalb des jüdischen Kreises gewinnen. Die metaphysischen Spekulationen, welche das Mittelalter und die Neuzeit bis aus Hegel so gewaltig aufgeregt haben, bilden nicht mehr den Denkstoff eminenter Geister; die Beweise für das Dasein Gottes hat man aufgegeben, und der Gottesglaube ist ein geoffenbarter geworden, der durch Unterricht, durch den Appel an unser höheres Selbstbewußtsein und durch die teleologische Betrachtung der Geschichte in unser Inneres einzieht; die Religion entkleidet sich allmälig ihres ausschließlich transcendentalen Charakters und geht heiligend und weihend auf die irdischen Zustände ein; die Gleichheit der Menschen als Grundlage des Staatsgebäudes wird immer mehr anerkannt; der Individualismus, der dem Staate nur so viel Recht auf das Individuum einräumt als er zu seiner Erhaltung schlechterdings nöthig hat, zählt immer mehr Anhänger; die Romantik, welche sich in eine Welt künstlich hineinlebt,■ der das frische Roth der Gesundheit und der Wirklichkeit fehlt, gehört in das Schattenreich der Geschichte: dies Alles ist jüdisch und judenthümlich, die thatsächlichen Erscheinungen sind Trophäen des jüdischen Stammgeistes und des Judenthums. So treten dem scharfen Beobachter unserer Zeit zwei