Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 213)
- Language
- German
- Belongs to
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143 höchst merkwürdige geschichtliche Phänomene entgegen; hier ein stetig fortschreitender Sieg jüdischer Anschauungen und Grundsätze, und dort ein neuerKampf, geführt von großen Geistern, gegen das Substantielle, gegen den Kern des jüdischen Volkes, oder mit andern Worten: wir stehen am Beginne einer neuen, großen Judenfrage. Was wird sie im Verlaufe der Zeit und in Folge der Diskussionen Hervorrufen? Vor Allem wird ein Bund geschlossen werden, der für den ersten Moment unglaublich scheint, aber vermöge der Logik der geschichtlichen Thatsachen nicht ausbleiben kann: Judenthum und Christenthum werden nämlich mit vereinten Kräften diese naturgeschichtliche Behme der Semiten bekämpfen, da beide bei dieser Judenfrage gleichmäßig engagirt sind. Denn diejenigen einseitigen Lobredner des Arier und parteiischen Darsteller des Semitismus, welche das Judenthum als das Produkt eines untergeordneten Stammes angreifen, schonen auch nicht des Christenthums, und während sie „den Gott der Juden" entthronen, reißen sie auch das himmlische Diadem von der Stirne dessen, welchen die Christgläubigen anbeten. Ueber dem Haupte eines Ernest Renan, eines Emile Burnouf und ihres Gefolges werden Juden und Christen einander die Hand reichen, um den Theismus zu verteidigen und für die Hauptprinzipien und Grundanschauungen der von Semiten zuerst vertretenen Religion einzustehen. Dann wird nach einem in der Geschichte allgemein herrschenden Gesetze, das was in den Thesen der Vorkämpfer der Arier begründet und berechtigt ist, auf die richtige Erkenntniß und die ruhige Würdigung des Judenthums und des Christenthums einwirken, die Gegensätze werden gleichsam wie chemische Stoffe, denen das verbindende Element