Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 211)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6222-3183243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
141 sind eine bevorzugtere Race, sind die Träger von Kunst und Wissenschaft, haben ein organisirendes Talent, ein staatenbildendes Genie; die Letzteren sind ein in geistiger Beziehung untergeordneterer Menschenstamm, dem der künstlerische Sinn, die wissenschaftliche Initiative und der politische Genius fehlen. Da nun die religiösen Prinzipien, welche die europäischen Völker beherrschen, in dem Boden eines semitischen Volkes wurzeln, so konnte es nicht ausbleiben, daß die Verherrlichung der Arier und die Verkleinerung der Semiten auch in der Beurtheilung des Judenthums sich geltend machte. Und dies geschah und geschieht auch! Man weist den Semiten und demgemäß auch den Juden die zweite Stellung in der Rangordnung der Racen an und erklärt die Blüthe des Semitismus, den jüdischen Monotheismus, für blaß, färb- und geruchlos im Verhältnisse zur reichen und mannigfaltigen arischen Ideenwelt. Das ist eineneue, viel wichtigere In den frage! Es wird der Jude wieder in ein Ghetto verwiesen, wo er im Namen der unerbittlichen und unabänderlichen schaffenden Natur bleiben muß; es wird seine weltgeschichtliche Bedeutung ein für alle Mal verdunkelt. Hier, in dieser neuen Judenfrage handelt es sich nicht für den Juden um ein größeres oder geringeres Maß von politischen Rechten sondern um den ganzen Menschen, um sein innerstes Wesen, um seine weltgeschichtliche Ehre. Auch birgt diese rein wissenschaftliche Judenfrage manche Vorurtheile unter ihrem Philosophenmantel, die auf das praktische Leben zurückwirken. So ist Ernest Renan zum Beispiel, ein Hauptvertreter der Arier gegenüber den Semiten, nicht ganz frei von einer gewissen Gehässigkeit gegen die Juden, obwohl er als einer der entschiedensten Liberalen nicht daran denkt, den Juden in Frankreich die politische Gleichstellung zu entzie-