Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 174)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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104 spalt. „Ist Alles, was Juden betrifft, auch Judenthum?" Diese weitausgreifende Frage, eine religiöse, politische, soziale, sie ist auch eine für uns gichtige literarische. Wir treten an den Ladentisch eines Buchhändlers, ins Journalzimmer einer Bibliothek, wir blättern keine Viertelstunde, ohne die verschiedenartigsten Beziehungen aus Juden und Judenthum, auf jüdische Wissenschaft und Literatur gefunden zu haben, sie mag eine richtige oder falsche sein, uns berechtigt oder unberechtigt erscheinen. Welches ist aber das Kriterium für diese Berechtigung? Darf man gegen die Bezeichnung „Jude" in Steckbriefen und Reisepässen protestiren, hingegen die Orden und Würden der Juden besonders registriren? Wenn es mindestens unwissenschaftlich ist, daß ein berühmter Theologe in seinen berüchtigt gewordenen Kritiken einen Schriftsteller schon durch die Bezeichnung „Jude" verurtheilt: darf man dem gegenüber die Leistungen der Juden auf nichtjüdischen Gebieten zusammenstellen? Oder ist jüdische Wissenschaft und Literatur nichts als Wissenschaft und Literatur der jüdischen Theologie, ohne Rücksicht ob Juden oder Nichtjuden sich daran betheiligen, die ganze Geschichte und Culturgeschichte der Juden nur ein Ausfluß religiöser Differenzen, oder nur in so weit sie es ist, von besonderem Interesse? Eine gründliche Erörterung dieses Thema's wäre eine selbstständige, für die Klärung dunkler ^Begriffe sehr wünschenswerthe Arbeit , die hier nicht nebenher zn erledigen ist. Hingegen darf ein Ueberblick der Literatur, auch aus der Vogelperspektive,- nicht angelegt werden, ohne den Umfang sachlich abzugrenzen. Indem wir aber unseren Standpunkt darlegen, werden sich auch die allgemeinen Geschichtspunkte für die aufzuzählenden literarischen Erscheinungen ergeben.