Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 158)
- Language
- German
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88 rungen rc. keine Hilfe haben und es stehe zu befürchten, daß diese ihnen nicht zahlen werden. Die Hofkanzlei rieth an, das Gesuch abschlägig zu bescheiden. Sie wies darauf hin, daß die Juden überall, wo man ihnen den Aufenthalt gestattete, sich sofort in außerordentlicher Weise vermehrten, so in Schlesien, insbesondere in Glogau, in Mähren, „wo mehr Juden vielleicht als Christen wohnen." Daselbst wurden sie früher nicht als Kammerknechte als ein Peculum regiiim, sondern als Extranei et quidem perversae religionis wie die Wiedertäufer als bornin68 vagabundi gleich die Landstörzer, Zigeuner rc. behandelt, jetzt aber gehe es ihnen gut. In Böhmen wurden sie wiederholentlich ausgetrieben. Die Hofkanzlei wolle nicht auf eine Ausschaffung antragen, „denn die Zeiten haben sich so verändert daß es impossibile sein dörffte, aber doch so viel wolle sie daraus stabiliren, daß der Kaiser hierzu das Jus eben so wie vorhin noch habe." „Dieses schlaue Volck ist gewohnt, heißt es ferner, von fast einem Saeculo her von lauter Reduktionen zu hören, aber es ist eben so gewohnt zu sehen, daß so offt daran angesetzt, gerade so offt darvon wieder nachgelassen worden sey." rc. In den Regierungskrisen waren damals zweierlei Strömungen in Beziehung auf die Juden. Die Hofkanzlei war gegen dieselben feindlich gesinnt, die Hofkammer hingegen, (das jetzige Finanzministerium) war freundlicher gestimmt, da die Juden Steuern zahlten, Anlehen machten, Lieferungen übernahmen rc. und die finanziellen Zustände Oesterreichs damals in einem sehr desolaten Zustande waren. Den Wiener Juden, war dieses Berhältniß wohl nicht unbekannt und sie suchten deshalb dahin zu wirken, daß ihr Gesuch von der Hofkammer begutachtet werde. In der That