Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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58 und Englischen ist die Sprache der feinen Gesellschaft von der einer roheren oder vertrauteren verschieden, und man erkennt leichteinen Fremden, der diese Nuancen nicht immer weiß. In Spanien spricht der Landmann wie der Grande, und, grobe Schimpfwörter ausgenommen, ist kein Unterschied. Nichts ist so gewöhnlich, als in. der besten Gesellschaft einen Mann zum andern z. B. beim Verwundern über etwas oder bei ähnlichen Vorfällen, sagen zu hören: Wer, Mensch (llomdre) wie kann dies sein? und ebenso wird eine Frau kurzweg Frau und ein Mädchen Mädchen genannt. Noch altertümlicher ist, was man auch in den größten Häusern von Equipagen, Ameublements u. s. f. sieht. Immer Pracht, z. B. massiv silberne Kohlenbecken (da man hier fast gar keine Kamine hat), eine Menge schlecht gehaltener Bedienten und fast nirgends geschmackvolle Bequemlichkeit. Mehr als einmal ist es mir vorgekommen, auf einer ganz weißen Kalkwand einen schönen Titian, Guido oder Giordano zu finden, der freilich mehr Werth war, als das ganze Ameublement eines französischen oder englischen Hauses. Leider nur ist wenigstens in Madrid nicht die schöne Einfachheit der Sitten, am wenigsten die Tugend der Damen, wie in der Ritterzeit, vielmehr sind die Sitten verderbt und die Rohheit im Umgänge beider Geschlechter auch (und vielmehr gerade und vielleicht nur da) in den höheren Ständen ungeheuer. Ich habe gerade diese Stände, so viel ich konnte, vermieden. Die sogenannten feinen, gebildeten Spanier, die andere Länder gesehen haben, haben mich nicht am meisten interessirt. Es sind einzelne sehr schätzbare Männer darunter, aber im Ganzen findet man in dieser Klasse aufs höchste was man in Frankreich und bei uns täglich sieht, und lernt die spanische Individualität schlecht oder gar nicht kennen. Denn