Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 126)
- Language
- German
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56 und so wird es unstreitig weiter fortgehen. Die Valencianer scheinen ziemlich allgemein dem Ruf der Verschlagenheit , des Eigennutzes und selbst des Geizes zu stehen. Die Ursache davon ist leicht aufzufinden. Die Valencianer sind die industriösesten unter den Spaniern, arbeitsam, thätig und erfinderisch in den Mitteln, ihre Zwecke zu erreichen. Der Kastilianer dagegen ist iw Ganzen träge, aber auch vielleicht von einem edleren Stolz. Dieser Gegensatz muß natürlich dies Uriheil über den Charakter der Valencianer Hervorbringen und zum Theil selbst wahr machen. Auch gehören die Valencianer schon zu einem anderen Stamme, als die übrigen Spanier. Sie haben ihre eigene, mit der Tolosanichen sehr übereinkommende Mundart, und in Valencia haben sich mehr, als sonst irgendwo, französische Familien angesetzt und Manufakturen angelegt. Wenn ich indeß zwischen Deutschen und Spaniern eine Ähnlichkeit finde, so denke ich nicht gerade an das nördliche, schon höher kultivirte Deutschland, sondern mehr an das mittlere, besonders Franken und Schwaben. Das Alterthümliche im äußern Aussehen der Städte, in der Tracht, den Sitten, was man dort, vorzüglich in einigen Reichsstädten, antrifft, das ist ganz und gar noch in Spanien zu Hause. Der Unterschied, der zwischen beiden Charakteren noch obwaltet, mag ungefähr derselbe sein, der zwischen dem deutschen: ehrbar und dem spanischen: honrado ist. Dies nämlich ist das Beiwort, das der gewöhnliche Kastilianer sich am liebsten giebt, und ich wüßte es durch keinen deutschen Ausdruck zu übersetzen. Ehrbar ist zu schlicht und bürgerlich dafür, denn es führt noch einen stärkeren Begriff von eigentlichem Ehrgefühl, xoint d’honneur, mit sich und ist edel genug, auch in der Poesie gebraucht zu werden; und edel drückt bei uns eine feinere Ausbildung des Gefühles aus,