Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 124)
- Language
- German
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54 Im Spätsommer 1799 hatte auch Wilhelm v. Humboldt mit seiner Familie von Paris aus eine Neise nach Spanien unternommen, von wo Alerauder v. Humboldt im Juni desselben Jahres seine ruhmreiche Neise nach Amerika angetreten hatte. Ueber Bayonne, St. Jean de Luz> durch die biskayischen Landschaften Guipuzcoa und Alava, längs den Ufern deö Ebro, durch die dürren Hochebenen Kastiliens eilte er nach Madrid, wo die Bibliotheken, Gemäldesammlungen ihn fast drei Monate anzogen. Von Madrid gings nach Kadir, dann wieder nordwärts durch das alte Baetiea, über Sevilla, durch die Sierra Morena zu den herrlichen Fluren von Valencia, den Trümmern von Sagunt, nach Barcelona, dem Montserrat und endlich durch Katalonien und die Pyrenäen nach Paris, das Ende April wieder erreicht wurde. — Das herrliche Gedicht „In der Sierra Morena", das klassische Werk „über die Urbewohner Hispaniens und die baskische Sprache" waren außer mehreren Schilderungen, die später in seine gesammelten Werke ausgenommen wurden, die literarische Frucht dieser Neise. Der folgende Brief ist von uns in Oppen heim's „deutsche Jahrbücher" VIII. 450. zum erstenmale publizirt worden. Madrid, 16. Dezember 1799. Ich bin seit etwa drittehalb Monaten in Spanien, mein lieber Freund, und fange an, mich ein wenig an diese fremden Sitten, die fast in allen Dingen von den französischen abweichen, zu gewöhnen. Ich bin sehr beschäftigt, da ich nur wenige Monate darin zu bleiben und doch den größten Theil des Landes zu durchreisen gedenke, und das allein hat mich abgehalteu, Ihnen früher zu schreiben. Meine jetzige Reise ist zwar ziemlich schnell gewesen, ich habe nirgends lang verweilt und werde es auch nicht, aber es ist mir darum vielleicht nur noch interessanter gewesen, zwei Nationen, die bei erstaunlicher Verschiedenheit doch manche Verwandtschaft durch Abstammung, Sprache und Himmelsstrich