Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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82 er noch manches Jahr Unterricht in der Mathematik, unter anderen auch dem jungen Börne, während dieser sich im Hause der „lieben Jette" noch als Ludwig Baruch aufhielt. „Bendavid besitzt viele Kenntnisse," heißt es in den vor einigen Jahren veröffentlichten Briefen des jungen Börne an Henriette Herz, dabei hat er eine so lebhafte Einbildungskraft, daß er sich dieselbe Vierhundertmal größer vorstellen kann. Einen eingebildeteren Gelehrten mag es wohl in der Welt nicht geben. Er spottet über alles und glaubt, außer ihm wisse die ganze Welt nichts. Ich habe ihm dies schon beim ersten Besuch abmerken können und das war gar keine Kunst. Da sagte er unter anderen: Physik ohne Mathematik sei wahre Spielerei und spielte dabei auf Herz an. Als ich ihn einmal fragte, ob Herzens Buch über dem Geschmack gut wäre, antwortete er mir: der Stoff war damals noch nicht viel bearbeitet, Herz hat nichts vollständigeres liefern können *). Nur ein Börne konnte im jugendlichen Uebermuthe ein solches Urtheil fällen über einen so seltenen und hochbegabten Mann, dessen ganzes Leben, wie er am Schluffe seiner Selbstbiographie gesteht, „immer ein Spiel des Zufalls, immer ohne feste Bestimmung, immer precär war und es leider noch ist! Aber es ist ohne mein Verschulden: Ergo quicunque es, rescindere crimina noli Deque gravi duras vulnere tolle mamis.“ (Darum, wer du auch seist, wolle nicht aufrühren Vergehen Und von der tiefen Wunde, Rauher halte fern die Hand.) Dieses noli rescindere möchte auf nichts mehr Anwendung finden als auf seine religiösen Bestrebungen und doch *) Briefe des jungen Börne an Henriette Herz, S. 65.