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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 24

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 24 (sequence 94)
Language
German
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IRI
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24 Bendavid hätte sich ausschließlich der Mathematik gewidmet, hätte nicht ein glücklicher Zufall seinem Geiste eine andere Richtung gegeben. Mitten in seinen mathematischen Studien machte er die Bekanntschaft eines Berliner Predigers, der ihn zum Studium älterer und neuerer Philosophen,. Des Cartes, Locke, Leibnitz ermunterte und die Ilias mit ihm las. Er hatte diesem ehrwürdigen Prediger viel zu danken, denn er war es, der in sein chaotisches Wissen eine systematische Ordnung brachte. Unvergeßlich blieben ihm die Stunden, die er in dem Hause des Predigers verlebte: er erquickte sich an den hehren Gestalten des classischen Alterthums, er lernte fühlen und — lieben. Die Tochter des Predigers, ein schönes, zartes, geistreiches und sittsames Mädchen, fesselte seinen Sinn, sie öffnete sein Auge für die Schönheiten der Natur und der Kunst, und lehrte ihn die Anfangsgründe der Musik auf dem Klavier, das sie, ähnlich der Tochter des Holländers van der Für, der Geliebten Spinoza's, meisterhaft spielte. Bis spät in der Nacht blieb der liebenstrunkene Bendavid, freilich mit Vorwissen des Vaters und in Gegenwart des Bruders, bei der nur ein Jahr ältern Herzensfreundin, sie lasen deutsche und französische Dichter, er mußte ihr auf dem Klavier Vorspielen, und sie setzte ihm die Finger. Sie hatte sich in seinem Herzen ein Monument errichtet, das keine Zeit und kein Schicksal je aus demselben zerstören konnte. „Edles Wesen!" rief er.noch im reifern Mannesalter aus, „wenn ich dich, wie man mir sagte, vor fünf Jahren wieder gesehen und nicht erkannt haben soll, verzeihe! Vergessen habe ich dich nicht. Du wärest das Ideal, das ich bei meiner nachmaligen Bekanntschaft bei vielen deines Geschlechts gesucht aber nicht gefunden habe!" Und doch hatte er viele geistreiche und gelehrte Damen kennen gelernt.

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